Samstag, 30. Oktober 2010

Von Runkelrüben, Reformation und Reibungsverlusten

Auch mal schön wenn sich eine Sache klärt. Die Verwunderung wer Runkelrüben ins Gemeindehaus schleppte währte nicht lange. Am Anfang war die Idee: Ich wollte eine Telofonkette bilden, um weiter zu geben, dass Konfis zu Erntedank Gaben sammeln sollen. Die spielten aber lieber Stille Post. Und so wurde ab dem Buchstaben J der Auftrag verbreitet, zum heutigen Konfisamstag Runkelrüben in großer Zahl und Ausmaß herbei zu schleppen.
Nun waren die Dinger schon mal da, da haben wir ein paar Runkelrübenköpfe für den morgigen Reformationsgottesdienst geschnitzt.
Schon beim Tippen höre ich die ersten aufschreien: Darf man das denn? Den Kniefall vor Halloween diesem imperialistischen, kommerziellen und heidnischen Einschleppfest? Weiß nicht, weniger, weil hinter den drei Schlagworten ja nicht nur politisch abzulehnendes sondern auch jede Menge Spaß steckt, sondern, weil in dem Gottesdienst morgen ohnehin Welten aufeinanderprallen, die kaum zueinander passen.
Ein gut Teil der Gemeinde erwartet wohl eine "Kirche" die das Erbe der Reformation hochhält (was dann wohl der Widerspruch wäre, ausgerechnet den Tag der Reformation so zu feiern wie immer), die Konfis die eingeführt werden hätten gerne einen flotten Jugendgottesdienst, mit interaktiven Teilen, Selbstvorbeteitetem etc. Ich bin stilistisch ja eher flexibel, hätte es dafür aber gerne stimmig und habe daher ein Problem. Und als kleines Zeichen dafür werden morgen ein paar RunkelrübenköpfeTeelichteterleuchtet im
Altarraum flackern.

Dienstag, 26. Oktober 2010

Das Ende des Fronatlunterrichts








Was ein Glück, dass es die Schule gibt. Was brächte sonst noch Spaß und Absurdität in meinen grauen Alltag. Neuerdings betonen nun Smartboards meine schizophrenen Seiten. Angeschafft durch das Konjungturpaket 2 hängen die in ziemlich vielen Klassenräumen. Der Hausmeister musste sich alle Mühe geben, die wenigen Wände zu nutzen, die der Belastung standhalten und zusätzlich darauf achten, dass sie unter keinem Loch im Dach hängen. Man ahnt, bevor in Technik investiert wird, hätte man erstmal die übelsten Baumängel beseitigen können. Aber vermutlich hat der Schwippschwager des zuständigen Politikers eher ein Technik- als ein Baugeschäft. Wenn man dann noch am die Ökologie - Stromverbrauch- und die Folgekostenvertrag -Wartung, Birnen etc. -denkt, müsste man die Dinger ablehnen. Doch dazu benutze ich sie zu gerne. Gerade bei Filmeinheiten ist das schon zu gut, Szenen nochmals in PowerPoint Arbeitsblätter einzubinden, Charakterfotos und Standszenen einzublenden, die Schlüsselszenenmusik nochmal zu hören, sprich den Unterricht besser zu gestalten. Außerdem bin ich hob und weg, dass das Ding faktisch auch den eine Unterrichtsform eingeführt, für die der Name noch gefunden werden muss.
Dazu braucht es aber auch die maroden Wände, die Bauernschläue des Installateurs und die Geistesgegewart des Klassenlehrers. Auf gar keinen Fall darf man das Smartboard an gleicher Wand wie die Tafel anbringen.

Ist die Tafel aber an dieser Wand angebracht und das Board an der anderen, dann kann man die die Hälfte der Klasse an die Wand gucken lassen und die andere an die andere...





und hat zack die Zentralunterrichtsform erfunden.

Freitag, 22. Oktober 2010

Emperie des Geschlechterkampfes


Zehnte Klasse. Thema Schöpfung. Da bietet sich an die Bibelstelle "und schuf sie als Mann und Frau" aufzugreifen. Interesse sollte dafür ja da sein. Und so staunte der Relilehrer nicht schlecht was das eine Geschlecht so als typisch über das andere notierte. Klammer auf Ich frage mich ob das in meiner ehemaligen Mainz-Mombach-Neun genauso ausgesehen hätte. Glaube kaum, denn wenn ich da Unter-Der-Bank-Lektüre eingesammelt habe, dann war's zu 95% die Bravo mit aufgeschlagener Sexseite und zu Fünfen ein Wochenendtittenheftchen. In der Oberwaldschule habe ich bisher von leseaffinen Schülern ausschließlich Kataloge von Engelbert Berufsbekleidung - die mit den Kettensägenschutuhosen - kassieren können Klammer zu Doppelpunkt
Das meinen also Jungs?- Jugendliche?? - Junge Männer??? über Mädchen? - Jugendliche?? - Junge Frauen???
zickig, sensibel, achten auf ihr Äußeres, dicke Titten, lieben Schuhe, zickig, lange Haare, gehen gerne shoppen, schöne Haare, lieben Schuhe, achten sehr auf ihr Äußeres und zickig.
Und das gilt als typisch männlich -masulin, jungsmäßig(?!): verspielt kindisch, unlogische Denkweise, männlich, beleidigen gerne Frauen, immer der Beste sein, vor den Kumpels gut dastehen, Angeber, Autogeil, Fußballsüchtig, schwanzgesteuert, oberflächlich, egoistisch, können nicht verlieren, womanizer, Computerfreaks, beschützerinstinkt, kommen später in die Pubertät, class='blogium-promo'>Posted from Blogium for iPhone

Freitag, 15. Oktober 2010

Kurioses Crainfeld


Folgende Situation auf einer Ordinationsfete in Offenbach: Nach längerem entspannt-anregendem Plausch mit einem Kollegen (Mitte 40, intellektuell, guter Anzug, Frankfurt, schwul) fragt der mich wo ich denn eigentlich herkomme. Ich antworte, dass wir aus dem hohen Vogelsberg angerollt sind. Die Augen des Gegenübers weiten sich, er schnappt nach Luft und es entfährt ihm ein "Oh Gott wie isses da denn so?", was mich unweigerlich in eine Verteidigungshaltung bringt. Nun weiß man ja die sind schlecht weil unsachlich, deshalb "würde ich heute ganz anders reagieren.
Selbstverständliches Klarstellen: Klischees gehören in die Tonne!
Dann ausweichen: Die Antwort hat ja mal sicher mehr mit einem selber zu tun als mit dem zu richtendem Ort.
Drittens relativieren: Natürlich entwickelt und verändert sich das Erleben der Region und ihrer Menschen mit der Zeit und Verweildauer.
Dann vielleicht konkreter werden: An einzelnen Symbolen/Ereignissen/Entscheidungen entscheidet sich viel; die Gestaltung der 1000 Jahr Feier 2011 wird so eines sein. Dann wieder ausweichen: Noch stecke ich ja ganz im Erleben, da ist noch keine Zeit für ein Fazit.
Letztlich mit einem guten Gag aufhören (der alte Pointenzwang): Crainfeld ist schon kurios. Da bietet ein Eierhändler nicht nur Puten mit breiter Brust sondern auch ganz ungeniert Sex im (oder mit?) Auto(s) an! So gesehen gestern beim einkauf in der "Genossenschaft" (auch kurios aber ein anderes Thema)

Donnerstag, 14. Oktober 2010

There are days like this

Draußen und drinnen Herbst, ergo zu nix Lust.
Konfifahrtabrechnung? Zu viele Zahlen!
Beerdigung schreiben? Müsste ja sein, muss aber später!
Liturgie fertig machen? Will die Taufgesellschaft ja nicht deprimieren!
Leute einladen? Wohnen alle zu weit weg!
Wermut gegen die Schwermut? Zu früh!
Ein Glück, dass es für tage wie diesen Jamendo gibt. Da kann man sich leichte, schöne, komplizierte, seltsame, technoide, dicke-Eier-Rock, kurz unprofessionelle-professionelle Musik anhören, das Ganze kostenlos und quer durch die Genres. Zum Beispiel diese Jungs, die Lagerfeuerakkustikgitarre mit dem Musikprogramm des Gameboys kombinieren. Ist albern, bringt aber zumindest ein Grinsen.

Dienstag, 12. Oktober 2010


Der Versuch einer Andacht

  • mittels eines Bildes zum Kunstprojekts The moment of consideration
  • einer biblischen Wundergeschichte (Mk 5)
  • einem erklärenden Text des Künstlers Ralf Kopp
  • und fragend-ergänzenden Einschüben des Pfarrers Sascha Heiligenthals

In jener Zeit fuhr Jesus im Boot an das andere Ufer des Sees von Galiläa hinüber, und eine große Menschenmenge versammelte sich um ihn. Während er noch am See war, kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus zu ihm. Als er Jesus sah, fiel er ihm zu Füßen und flehte ihn um Hilfe an; er sagte: Meine Tochter liegt im Sterben. Komm und leg ihr die Hände auf, damit sie wieder gesund wird und am Leben bleibt. Da ging Jesus mit ihm. Viele Menschen folgten ihm und drängten sich um ihn. Unterwegs kamen Leute, die zum Haus des Synagogenvorstehers gehörten, und sagten zu Jaïrus: Deine Tochter ist gestorben. Warum bemühst du den Meister noch länger? Jesus, der diese Worte gehört hatte, sagte zu dem Synagogenvorsteher: Sei ohne Furcht; glaube nur Und er ließ keinen mitkommen außer Petrus, Jakobus und Johannes, den Bruder des Jakobus. Sie gingen zum Haus des Synagogenvorstehers. Als Jesus den Lärm bemerkte und hörte, wie die Leute laut weinten und jammerten, trat er ein und sagte zu ihnen: Warum schreit und weint ihr? Das Kind ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Er aber schickte alle hinaus und nahm außer seinen Begleitern nur die Eltern mit in den Raum, in dem das Kind lag. Er fasste das Kind an der Hand und sagte zu ihm: Talita kum, das heißt übersetzt: Mädchen, ich sage dir, steh auf.

Ich wurde zu dem Video durch meinen andauernden inneren Dialog inspiriert – die Schwierigkeit zu einer Entscheidung zu kommen. Das „vielleicht“, das „sowohl als auch“. Der innere Konflikt zwischen Rationaliät und Emotion. Mein Gefühl sagt mir „Tu es!“. Mein Kopf sagt mir “Lass es, es bringt nur Stress”. Mein Über-Ich hat Argumente. “richtig und falsch”, “lass es sein”, “die Ethik” – der Schweinehund der überwunden werden will – meine Ängste.

Soll ich es tun? Soll ich? Oder besser nicht? Warum nicht? Die Anderen machen´ s doch auch. Die Anderen? Nein, sorry, NEIN! Ja. Nein. Oder doch ja? Ich meine ja – nein. Oder?

Auf der einen Seite sagen die verschiedenen Frauen in ihrer Muttersprache ohne große Unterbrechung „Ja, ja, ja“ und auf der anderen „Nein, nein, nein“ – vielfältig wiederholt in einem Bild – verbunden mit Gestiken und Betonungen. Sie sind scheinbar im Dialog mit sich selbst.

Auf den ersten Blick scheint es den Frauen nicht schlecht dabei zu gehen, es wird gegrinst und gelacht, Zeit sich Gedanken zu machen, das ist gut. Die Atmosphäre stimmt, gemütliches Cafe, der Zucker steht bereit seine glücklich machende Wirkung ins Heißgetränk rieseln zu lassen.

Das Glück bleibt aber fern, denn der innere Dialog findet kein Ziel, wird zur Geschichte ohne Anfang und Ende, nervt den Betrachter, zum Glück denn

Der Betrachter wird Teil dieses Dialogs. Der innere Dialog mit sich selbst. „Ja“ und „Nein“.Soll ich etwas tun oder soll ich’s lassen? Soll ich’s so tun? Oder so? Soll ich zum Chef gehen und um Gehalt bitten, oder lass ich’s lieber? Soll ich ein Stück Kuchen essen – ein weiteres vielleicht – oder nicht? „Ja, ja“, „Nein, nein“. „Ja, es schmeckt so gut“ – „Nein es macht dick“. „Es ist gerade so gemütlich in der Kaffeerunde, da trägt doch ein weiteres Stück Kuchen gerade zur Gemütlichkeit bei.“ „Aber da ist sehr viel Zucker drin, lass das lieber – ist nicht gesund.“ „Aber mein Leben ist so anstrengend, das Stück Kuchen wäre die richtige Belohnung in stressiger Zeit.“ – „Nein, die Leute denken ja noch, du isst immer so viel.“ „Ja, ja“, „Nein, nein“. „Soll ich etwas kaufen oder anschaffen – oder nicht?“ „Soll ich ein Beziehungsproblem ansprechen, was mir wichtig wäre, was mir auf der Seele liegt – oder blüht mir dann noch mehr Ärger?“

Kopp hält uns und unseres Zeit der der scheinbar unendlichen Wahlmöglichkeiten mit dem Bildschirm den Spiegel vor. Aus der Verlockung der unbegrenzten Möglichkeiten sind längst die begrenzten Unmöglichkeiten geworden

Der Theologe Kurt Marti hat das mal verdichtet auf den Punkt so auf den Punkt gebracht:

„Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte, wo kämen wir hin und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.“

Stillstand ist der Tod – und deshalb wollen Kopps Bilder auch nur Durchgangsstationen sein, um

die Pros und Cons hinter uns (zu) bringen – und (zu) entscheiden.

Vielleicht lässt sich ja der Druck aus der ganzen verfahrenen Situation lassen, wenn wir uns kurz bewusst machen, dass von der Entscheidung unser ganzes Leben abhängt. Nein, ich habe kein Wort vergessen, weil ich aus Zeitnot zu schnell tippe, natürlich hängt beruhigenderweise das Gelingen unseres Lebens davon ab - denn das macht gutes Leben nun mal aus: Richtige Entscheidungen! Wie kommt man zu denen. Das ist genauso einfach zu beantworten: Durch Erfahrungen! Jetzt brauchen wir also nur noch Erfahrungen, wie gewinnen wir die? Durch falsche Entscheidungen!

Entscheiden ist also gut, natürlich tut es weh über Falsche zu stolpern, ins Straucheln zu geraten, hinzufallen und trotzdem: Es ist relativ wurscht ob richtig oder falsch, vielmehr es ist relativ wichtig die falschen Entscheidung richtig zu nehmen. Nämlich mit der Haltung, die hinter Jesu Aufforderung der Wundergeschichte aufleuchtet, die er zu dem Mädchen sagt weil er uns damit gemeint hat: Talita kumi!


Mehr über Ralf Kopp und seine Arbeit?

www.videokun.st und www.ralfkopp.com


the moment of concideration - FR from Ralf Kopp on Vimeo.

Freitag, 8. Oktober 2010

Weltklassehumor aus Lauterbach


Nun hat sich der Lauterbacher Anzeiger ja immer mal wieder als astreines Satireblatt entpuppt. Etwa wenn beim Kinderkonzert des Nieder-Mooser Orgelsommers miniert wurde, die vielen Kinder hätten die schöne Musik gestört oder wenn der Garant der vogelsberger Pressefreiheit erleichtert zum 90. Geburtstag feststellt "sie meistert ihr Schicksal: seit ihrer Kopfoperation sieht sie alles doppelt.
Mit der exklusiven Bild-Text-Kompositionen von Donnerstag ist das Humorschaffen des Lokalblattes endlich in der ersten Liga, sprich Bundespolitik angekommen und bringt zusammen was zusammen gehört: Winterreifen und scheidende Finanzminister.