Da sind sie hier falsch.
Nein, ganz sicher nicht. (Vorwurfsvoll) wir hatten auch schon telefoniert und jetzt will ich einen Termin um es impfen lassen.
Sie sind hier im Ev. Pfarramt nicht bei einem Arzt.
Oh Mist, ich meinte "taufen".
Da sind sie hier falsch.
Nein, ganz sicher nicht. (Vorwurfsvoll) wir hatten auch schon telefoniert und jetzt will ich einen Termin um es impfen lassen.
Sie sind hier im Ev. Pfarramt nicht bei einem Arzt.
Oh Mist, ich meinte "taufen".
Heute: Die vermeintlich letzte Joggingrunde im Vogelsberg.
Kaum zu glauben aber wahr. Die Mischung aus wirklich schöner Landschaft, kleinen Hügeln, Seen, langem Fahrradweg und IPhone GPS Spielerei mit Opernvollbeschallung haben mich das letzte halbe Jahr zum regelmäßigen Läufer gemacht. Vom Marathon bin ich zwar noch so weit entfernt wie von flotten Zeiten und trotzdem stolz auf die 10km Runden unter einer Stunde. Hat Spaß (und manchmal Muskelkater) die Seite an mir und des Vogelsberges.
So ein Landrat, den man laut Benachrichtung wählen soll, aber nicht könnte (siehe vorherigen Post) und darf (ebenda), der hat ja einen Vorgänger - könnte natürlich auch eine Vorgängerin sein, aber das ist ja leider nicht so wahnsinnig häufig.
Mit diesem hat der Dorfpfarrer immer mal wieder zu tun, nämlich wenn Menschen aus der Gemeinde sehr alt werden, dann trifft man sich beim Geburtstagsbesuch. Und wenn Kirchen sehr alt werden, kann das auch passieren.
In unserem Fall war das sinnvoll, weil ja Kirchen- und Dorfjubiläum in "einem Aufwasch" gefeiert wurden. Und deshalb war es angebracht, dass der Landrat da ein kurzer Grußwort spricht (manche singen das auch, aber das ist eine andere Geschichte).
Und diese Rede war so nachhaltig beeindruckend, dass sie nicht verloren gehen soll. Ich versuche eine kurze Zusammenfassung des Hauptteils.
Der Landrat freute sich hier in Crainfeld zu sein, zu einem solche Fest. Denn von hier stamme sein ehemaliger Ausbilder. Er habe ja Schreiner gelernt, also einen ordentlichen Beruf, den er mit viel Freude ausgeübt habe. Aber dazu habe es eben einer harten Ausbildungszeit bedurft. Und deshalb erinnere er sich gerne an Herrn M von hier, denn von dem müsse man einfach sagen: "Der Herr M, das ist einfach ein Mensch!" Denn so selbstverständlich sei das nicht. Früher hätte auch viele Ausbilder Ohrfeigen verteilt. Aber nicht so sein Ausbilder...
Das Zitat wiederholte sich dann noch ein paar mal, die logische Verbindung der Freude da zu sein, weil hier dieser "Mensch" herstamme und immer noch lebe wurde noch mehrmals paraphrasiert. Als mir das Zuhören immer schwerer fiel, erwähnte - so viel Fairness muss sein - der Redner noch, das die Kirche 1000 Jahre alt werde und das ein besonderer Grund zum Feiern sei.
Vielleicht muss ich meine hohen Ideale das Wahlrecht als Wahlpflicht zu vestehen doch noch mal überdenken.
und die bleibt mir Gott sei Dank erspart. Der Reihe nach:
Im Vogelsberg steht die Wahl des neuen Landrats an. Ich empfinde Wahlen stets als Recht, das die moralische und politische Pflicht mit sich bringt, es wahrzunehmen. Hey, in Lybien und Syrien sterben Leute, weil sie genau das wollen und viele bei uns hat das Wählen müde gemacht? Das ist mir unverständlich. Soviel zur Überzeugung.
Und deshalb bin ich recht froh darüber, dass ich der Aufforderung meiner "Wahlpflicht" nicht mehr nachkommen darf (wir ziehen vorher um).
Der Grund liegt in einer unglücklichen Kandidaten-Parteien-Konstaellation. Ich will hoffen, dass die nicht repräsentativ ist. Ich müsste sonst das Ganze mit der "Wahlpflicht" gründlich überdenken.
Der erste Kandidat gehört einer Partei an, die ich nicht wählen kann. Mit der Idee bei Grußwortreden Karl-Moik-Weisen-trällernd auf sich aufmerksam zu machen, konnte er bei mir auch nicht so recht punkten. Gut, ein Bierzelt zum Kochen bringen kann er, aber qualifiziert ihn das zum Landrat?
Den zweiten habe ich mal bei einer Wahlkampfveranstaltung gefragt, was eigentlich die Aufgaben eines Landrates so sind, wie sich das Parlament zusammensetzt und wie die Kompetenz und Aufgabeverteilung so aussieht. Ich wollte ihn nicht ärgern. Ich wollte das ehrlich wissen. Darauf wollte oder konnte er mir aber nicht antworten. Seine Partei ginge ja schon, aber kann man einen Kandidaten wählen, der nicht weiß, was er dann eigentlich machen darf (vom Wollen ganz zu schweigen, so weit kamen wir ja leider nicht)?
Wahrscheinlich hätte ich den Rat einer uralten Frau aus der Gemeinde gefolgt. Die ging immer, wenn es ihr nicht möglich einer Partei oder Politikern das Vertrauen zu geben, in die Wahlkabine und hat das so auf dem rosafarbenen Zettel kundgetan - zur Freude der Auszähler auch gerne mittels ausführlicher Erläueterung. Habe ich ja auch gemacht, nur eben ohne Kabine und Zettel.
Ich erzähle jetzt mal was, was gar nicht so bekannt scheint: Die Jugend von heute ist gar nicht furchtbar. "Jugend" das heißt in unsere kirchlichen Mikrokosmos meist "Konfis".Die Jugend also Konfigruppe ist eigentlich alles in allem ziemlich gut drauf, sozial, clever, hilfsbereit und offen.
Das wollte ich nur mal loswerden. Zum einen, weil auffallend häufig in den letzten Wochen über die Jugend geschimpft wurde. Der Anlass war, dass ich wegen Urlaubs leider nicht persönlich zum Geburtsagsgratulieren einiger Jubilare erscheinen konnte. Und da hat sich ein Abgrund an Vergleichen aufgetan: Die Jugend die sei doch eh zu nichts mehr Nutze, auf die solle man nicht soviel Zeit verschwenden, die Kirche würden die eh nicht voranbringen.....
Das ist Mumpitz, wie gerade an dem allerletzten Konfisamstag wieder ganz deutlich wurde. Da lassen sich pubertierende Jugendliche auf das Thema "Gebet" und "Segen" ein, formulieren eigene Schuld und Fehler im Kyriegebeten, singen das uralte Kyrie eleison, stecken fürbittend Kerzen an und geben Segen weiter. Das gehört zu den vielleicht schönsten Eindrücken: Wie sich die Konfis paarweise mit Segenskärtchen zurückziehen, ihren Partner einen Segenswunsch aussuchen und versprechen, ihm (oder ihr) danach ein kleines Kreuz mit Duftöl auf die Hand malen.
Und dass danach ein Konfi mit "Ey, Herr Pfarrer, jetzt bin isch voll abgesegnet" strahlend die Empore runterkam, macht den Abschied von der Gruppe wehmütig und gut: Der Kirche die solche Konfis hat, braucht nicht bange zu sein.
Tragisch? Da hat sich unser Kirchenpräsident vom Papstbesuch ein deutliches Zeichen der Ökumene gewünscht - und er hat´s auch prompt bekommen. Wahrscheinlich aber nicht wie gewünscht, die Papstsignale waren so wie bisher, also bestenfalls schweigende Absagen gemischt mit schallenden Ohrfeigen an die evangelische Kirche und Anfragen der Ökumene. Ein Fantast wer etwas anderes erwartet hätte. Es bleibt also wie es war, mit diesem Papst ist ein Mehr an Gemeinsamkeit und ein Aufeinanderzugeh´n nicht möglich.
Wenn Benedikt aber so klug ist wie immer behauptet wird, dann lasst ihn uns doch wohlwollend unterstellen, er hätte seinen Besuchsslogan mit Bedacht gewählt: Mit Gott in die Zukunft. Das soll wohl auch heißen: ohne Papst. Und mal unter uns, besser so als andersrum, oder?
Und schön ist, dass viele ja längst weitergehen, wo Benedikt lieber auf der Stelle tritt und sehnsuchtsvoll zurückschaut. Man muss nur mal in twitter reinschauen, was es da für Kontakte und Diskussionen unter katholischen und evangelischen KollegInnen gibt oder man kommt mal im RL in die Crainfelder Kirche und lacht über eine Karikaturenausstellung, die Bamberger Diözese und Kirchenkreis gemeinsam zusammengestellt haben. Das scheint mir nicht der schlechteste Weg in eine zumindest gemeinsamere Zukunft, soll Benedikt doch mal schön in der Vergangenheit bleiben.
Verrückt, es gibt Tage die verrücken die Wahrnehmung ohne das viel passiert.
Heute war so einer, weil sich erstaunlich-erfreuliche viele Leute auf die Spuren des jüdischen Crainfelds gemacht haben. Eigentlich ist das alles bekannt: Crainfeld war eines der Zentren des jüdischen Lebens im Vogelsberg - auch weil das Adelsgeschlecht der Riedesel den Nazis das "Judenfrei" schon jahrhunderte vorweg nahmen und keine Juden in ihren Dörfern duldeten.
Und doch ist es etwas anderes, die Häuser abzugehen, an die Menschen und ihre persönliche Geschichte erinnert zu werden. Besonders bewegend waren die erzählten Erinnerungen der alten Crainfelder: Wie der jüdische Nachbar so packend erzählte, dass man das Geld für die Zeitung sparte, wie die Lausbuben von der Mauer aus in die Synagoge lugten und sich über die Gebetsformen amüsierten, wie aufgeregt die Mädchen waren, wenn ihnen ein seltender Besuchergang in die Miquwe erlaubt wurde.
Und damit rückt das Unverständnis ins Zentrum und stellt diese unangenehmen Fragen: Wie konnte ein weitestgehend gutes Miteinander unter dem Stiefelgedröhn der SA Schergen zerbröseln? Warum haben sich nicht die tapferen Hilfsangebote und die vereinzelte Solidarität und das Mitleid durchgesetzt, sondern die massenhafte Deportation in den den Tod? Warum musste die Synagoge abgerissen und das jüdische Bad zugeteert werden?
Aber vielleicht liegt ja darin genau der Sinn eines solches Tages, sich dem Irrsinn, der schon nicht mehr Verrücktheit genannt werden kann, bewusst zu werden. Ich werde ab sofort sicher ein wenig anders durch Crainfeld gehen.